top of page

Männlichkeit in der Sommerfrische

  • Christoph Laun
  • 29. Juli
  • 4 Min. Lesezeit
Bild als Symbol zwischen Mannosphäre und Männlichkeit

Sommerlektüre zwischen Mannosphäre, Jungenfrage und Männerarbeit

Pressespiegel · Stand: 27. Juni 2026


Wer in diesem Sommer über Männlichkeit lesen will, findet ungewöhnlich viel Material. In den großen Tages- und Wochenmedien ist Männlichkeit derzeit nicht nur ein Randthema der Feuilletons. Sie erscheint als Frage von Demokratie, Bildung, Körperbildern, digitaler Gewalt, Einsamkeit, Sexualität, Vaterschaft und Männerarbeit.


Auffällig ist: Viele Artikel sprechen von Krise, Backlash oder Mannosphäre. Zugleich zeigen einige Texte, dass es längst andere Suchbewegungen gibt: Männergruppen, Väterdebatten, pädagogische Arbeit mit Jungen, Gespräche über Verletzlichkeit und Verantwortung. Das sind Themen, mit denen wir uns auch am Bremer Männertag immer wieder beschäftigen.


Dieser Pressespiegel ist nicht vollständig. Er ist eine Einladung zur Sommerlektüre und zum Gespräch darüber, welche Bilder von Mannsein wir weitergeben – und welche wir hinter uns lassen wollen. Am Ende findet ihr eine Auswahl von Links, die euch direkt zu einigen Artikeln führen. Wir geben euch hier eine kleine Übersicht über Themen, die in den letzten Wochen besonders heiß diskutiert werden.


1. Die Mannosphäre ist im Mainstream angekommen


Noch vor wenigen Jahren war „Manosphere“ ein Spezialbegriff für Fachleute aus Medienpädagogik, Extremismusforschung und Gender Studies. Inzwischen erklären große Medien ihren Leserinnen und Lesern, warum Andrew Tate, Incels, Looksmaxxer und „Bro“-Influencer mehr sind als digitale Kuriositäten.


Die ZEIT nähert sich dem Thema in Reportagen, Podcasts und Buchkritiken. Die Süddeutsche Zeitung bündelt mehrere Texte unter einem Schwerpunkt zur „Männlichkeit in der Krise“. Die taz hat mit der „männertaz“ sogar ein eigenes Dossier gesetzt. Das ist ein Signal: Männlichkeit wird wieder öffentlich verhandelt – diesmal stärker mit Blick auf Jungen, digitale Räume und politische Radikalisierung.


2. Zwischen Frauenhass und Selbsthass


Die Texte über Incels und Manosphere zeigen ein wiederkehrendes Thema: Viele junge Männer erleben Kränkung, Einsamkeit oder Statusunsicherheit. In vielen Online-Räumen werden diese Erfahrungen aber nicht in Selbstklärung, Beziehungskompetenz oder gesellschaftliche Teilhabe übersetzt. Sie werden in Rangordnungen, Schuldzuweisungen und Frauenabwertung umgedeutet.


Für Männerarbeit ist daran wichtig: Wer nur moralisch verurteilt, versteht die Attraktivität dieser Angebote nicht. Wer nur Verständnis zeigt, verharmlost ihre Gewaltförmigkeit. Es braucht beides: klare Grenzen gegenüber Misogynie und Räume, in denen Jungen und Männer andere Sprachen für Scham, Angst, Begehren, Neid und Zugehörigkeit finden.


3. Der Körper des Mannes wird zum Projekt


Immer wieder wird das Thema „Looksmaxxing“ aufgegriffen: junge Männer, die ihren Körper, ihr Gesicht, ihren Kiefer, ihre Haut und ihre Muskeln als permanentes Optimierungsprojekt behandeln. Was steckt dahinter? Einige Artikel behaupten, dass es mehr sei als alte Schönheitszwänge, nämlich eine Weltanschauung, in der Attraktivität als Schicksal gilt und Selbstwert an messbare Rangplätze gebunden wird.


Hier wird besonders sichtbar, dass patriarchale Körpernormen nicht nur Frauen beschädigen. Sie treffen Männer anders, aber ebenfalls tief: als Leistungsdruck, als Angst vor Beschämung, als Unfähigkeit, den eigenen Körper freundlich zu bewohnen.


4. Die Jungenfrage kehrt zurück


Viele Beiträge kreisen um die Frage, ob junge Männer abgehängt, orientierungslos oder

anfälliger für rechte und antifeministische Deutungsangebote werden. Das ist heikel. Schnell entsteht ein Ton, in dem Jungen entweder als Problemgruppe oder als neue Opfergruppe erscheinen.


In manchen Texten wird aber auch konkret gefragt: Welche Vorbilder bekommen Jungen? Wie sprechen Schulen über Geschlecht, Sexualität, Macht und Grenzen? Welche digitalen Männlichkeitsbilder wirken im Hintergrund? Und wo fehlen erwachsene Männer, die eine glaubwürdige, zugewandte und verantwortliche Form von Männlichkeit verkörpern? Solche Fragen zu stellen entspricht eher unserer Herangehensweise an das Thema, als vorschnell zu diagnostizieren.


5. Was in der Berichterstattung noch fehlt


Das Wort „Männerarbeit“ taucht seltener auf als „Mannosphäre“, „Incels“ oder „toxische Männlichkeit“. Das ist bezeichnend. Medien beschreiben zurzeit vor allem Gefährdungen, Symptome und Eskalationen. Weniger sichtbar sind Orte, an denen Männer tatsächlich üben: zuhören, sprechen, trauern, Verantwortung übernehmen, Rivalität unterbrechen, Nähe zulassen, Konflikte ohne Abwertung führen.


Für uns ist das eine weitere Bestätigung dafür, wie wichtig Veranstaltungen wie der Bremer Männertag sind. Wir bleiben bei der Beschreibung der Krise nicht stehen. Vielmehr stellen wir die Frage: Welche Räume brauchen Männer, damit sie nicht in alte Dominanzmuster oder digitale Ersatzgemeinschaften zurückfallen? Welche Erfahrungen helfen, dass aus Verunsicherung kein Hass wird, sondern der Mut zur Kooperation?


Fünf Lesewege für den Sommer


Hinweis: Die verlinkten Artikel der taz sind zur Zeit kostenlos abrufbar. Für den Zugang zu den Artikeln der SZ, der Zeit, dem Freitag und dem Tagesspiegel kann man ein kostenloses Probeabo abschließen. Das Probeabo zu Spiegelonline, FAZ und der Welt kostet je ein Euro. (Stand 27.06.2026)

Für den schnellen Einstieg


Für Pädagog:innen und Männerarbeiter


Für den Blick in digitale Radikalisierung


Für Körper, Scham und Selbstoptimierung


Für Bücher und längere Debatten


Eine Einladung zum Gespräch über Männlichkeit

Der Sommer eignet sich gut für eine langsamere Lektüre. Nicht jeder Artikel muss überzeugen. Manche Texte werden ärgern, andere klären, einige bleiben im Krisenton hängen. Entscheidend ist, dass daraus Gespräche entstehen: mit Männern, mit Jungen, mit Vätern, mit Kolleginnen und Kollegen, mit Menschen, die sich von alten Männerbildern nicht mehr vertreten fühlen.


Der Bremer Männertag kann dafür ein Ort sein: nicht als Gegenbewegung zum Feminismus, nicht als Rückzug in männliche Selbstbespiegelung, sondern so wie ihr ihn kennt: als Raum für erwachsene Auseinandersetzung.

Kommentare


Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Bitte den Website-Eigentümer für weitere Infos kontaktieren.

In Verbindung bleiben

Du willst auf dem Laufenden bleiben oder Kontakt mit uns aufnehmen?
Melde dich für unseren Newsletter an oder schreib uns direkt – wir freuen uns auf dich!

Vielen Dank!

Fotos: © Karsten Klama · karstenklama.de
Webgestaltung: Fabian Surrey · Praxis auf den Häfen · Bremen · Atemarbeit (Breathwork) & Psychotherapie · praxisaufdenhaefen.de

Impressum · Datenschutz

bottom of page