Mut zum Miteinander
- Fabian Surrey
- 7. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Foto: Karsten Klarma
Eine Reportage über den Bremer Männertag
Am Samstagmorgen füllt sich der Raum langsam mit Stimmen, Schritten, Kaffeeduft und einer leisen Spannung. Einige Männer begrüßen sich vertraut. Andere sind zum ersten Mal dabei, schauen sich um, nehmen einen Becher Kaffee in die Hand und warten ab.
Niemand muss sofort etwas leisten.
Vielleicht ist genau das eine der besonderen Qualitäten des Bremer Männertags: Er beginnt nicht mit großen Parolen, sondern mit Ankommen. Männer unterschiedlicher Generationen, Berufe und Lebenserfahrungen kommen zusammen, um einen Tag lang zu fragen: Wer bin ich als Mann? Was trägt mich? Was verbindet mich mit anderen?
Den Bremer Männertag gibt es seit 2003. Was damals als lokales Experiment begann, ist heute ein fester Ort für Männerarbeit in Bremen geworden. Organisiert wird er von einem engagierten Team in Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk Bremen, Männersache e.V. und weiteren Partnern.
Im Jahr 2026 fand der Männertag bereits zum 24. Mal statt. Unter dem Motto „Starkes Ich – starkes Wir" ging es um persönliche Stärke, Gemeinschaft und die Frage, wie Männer eine kraftvolle Eigenständigkeit entwickeln können, ohne die Verbindung zu anderen zu verlieren.
Denn Stärke wird oft noch immer mit Durchhalten, Kontrolle oder Alleingang verwechselt. Wer sich durchsetzt, gilt als erfolgreich. Wer keine Schwäche zeigt, als überlegen. In einer Zeit, in der Härte, Dominanz und autoritäre Rollenbilder wieder als Stärke verkauft werden, braucht es andere Erfahrungsräume.
Der Bremer Männertag lädt dazu ein, jenseits patriarchaler Muster miteinander in Kontakt zu kommen: geschützt, ehrlich und zugewandt. Es geht um Erfahrungen von Konkurrenz und Beschämung, aber auch um Freundschaft, Fürsorge, Konfliktfähigkeit, körperliche Präsenz, emotionale Sprache und die Frage, wie Männer einander im persönlichen Wachstum unterstützen können.
In den Workshops wird das auf ganz unterschiedliche Weise erfahrbar. Da geht es um Körperarbeit, Atem, Tanz, Tai Chi, Sexualität, Gesundheit, Authentizität oder archetypische Bilder männlicher Entwicklung. Manche Angebote sind still und nach innen gerichtet, andere bewegter, kraftvoller, lebendiger. Entscheidend ist nicht, dass alle dasselbe tun.
Entscheidend ist, dass Männer sich zeigen dürfen, ohne einander überbieten zu müssen.
Neben den Workshops gehören auch das gemeinsame Essen, die Gespräche zwischendurch, das Männer-Café und das Forum im großen Kreis zum Tag. Gerade dort entsteht oft das, was sich schwer planen lässt: Begegnung. Ein Satz, der hängen bleibt. Ein Lachen. Ein Wiedererkennen. Manchmal auch eine Irritation, die weiterarbeitet.
Ein Teilnehmer sagte nach dem Männertag: „So viel Vertrauen unter Männern habe ich selten erlebt. Ich wünsche mir, dass mehr Männer sich so begegnen."
Der Männertag ist kein Therapieersatz, kein ideologischer Männerbund und kein spirituelles Heilsversprechen. Er ist ein bewusst gestalteter Erfahrungsraum. Offen für Männer aller Generationen, mit und ohne Vorerfahrung. Wer kommt, muss nichts beweisen. Aber er darf sich einlassen.
Zum Auftakt gehört auch eine öffentliche Film-Soirée am Freitagabend. Sie ist offen, kostenlos und ausdrücklich für alle gedacht. So entsteht ein weicher Einstieg ins Wochenende: Kultur, Gespräch und gemeinsames Nachdenken über Männlichkeit, Beziehung und Gesellschaft.
Mut zum Miteinander
Das Motto des kommenden Bremer Männertags lautet: „Mut zum Miteinander – neue Verbindungen statt übergriffige Dominanz."
Am 12. und 13. März 2027 zieht der Bremer Männertag an einen neuen Ort: ins Kapitelhaus/Domkapitel direkt in der Bremer Innenstadt an der Domsheide. Dort wird weitergefragt, was Männer heute stärken kann: nicht als Rückzug in alte Dominanzlogiken, sondern als Übung in kooperativer Stärke, Resilienz und echter Verbindung.




Kommentare